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Unsere Futter-Mist-Kooperation für Bodenfruchtbarkeit und einen möglichst geschlossenen Nährstoffkreislauf

Ein großes Thema in der Landwirtschaft ist das Schließen von Nährstofflücken. Das bedeutet, die Nährstoffe, die mit der Ernte vom Feld abgefahren werden, sollen nicht verloren gehen. Bei einem Betrieb, der sowohl Vieh hält, als auch Pflanzenbau betreibt, stellt das in den meisten Fällen kein Problem dar. Mist der eigenen Tiere, die optimalerweise selbst erzeugtes Futter fressen, bringen idealen Dünger für den Boden. Bei den Remlinger Rüben haben wir jedoch keine Nutztiere, deren Mist wir als fruchtbaren Dünger für unsere Felder nutzen können. 

 

Deshalb arbeiten wir mit der Bioschäferei in Bergrothenfels im Rahmen einer Futter-Mist-Kooperation zusammen. Die Schäferei erhält Stroh aus der Getreideernte als Einstreu und Gemüseabfälle zum Füttern der Tiere. Im Gegenzug dazu erhalten wir Schafmist als fruchtbaren Dünger für unsere Flächen. So gelingt uns eine Kreislaufwirtschaft auch ohne eigene Viehhaltung.

Was genau tauschen wir mit der Schäferei?

Stroh ist in unserem Betrieb ein Nebenprodukt der Ernte, für das wir keinen weiteren Verwendungszweck haben, weshalb wir es zur Schäferei geben. Als Schaffutter nutzen wir nur solches Gemüse, das nicht als Lebensmittel oder für die Verarbeitung in Küchen verwendet werden kann. Sprich sehr klein oder unförmig gewachsenes Gemüse und Bruchstücke.

Durch die Verdauung der Schafe, die genau wie Kühe zu den Wiederkäuern gehören, wird das Gefressene in Wert gesetzt. Schafmist ist ein ideales Futter für Bodenlebewesen wie zum Beispiel Regenwürmer und enthält zudem die essentiellen Nährstoffe Stickstoff und Phosphor.

Hintergrund der Zusammenarbeit

Bei der Ernte werden zwangsläufig Nährstoffe vom Feld abgefahren. Diese Nährstoffe nehmen wir als Mensch mit unserer Nahrung zu uns. Es sind aber auch die Nährstoffe, die im Boden für dessen Fruchtbarkeit verantwortlich sind. Das Erntegut und seine Nebenprodukte, z.B. Stroh aus der Getreideernte, Grün von Karotten, Wurzelreste und anhaftende Erde sind organisches Material, in dem Nährstoffe gebunden sind. Diese sollen im Sinne einer Kreislaufwirtschaft nicht verloren gehen, sondern dem Boden wieder zugeführt werden. Ziel ist es, einen geschlossenen Organismus zu kreieren, in dem der Boden langfristig fruchtbar bleibt.

 

Für einen nach ökologischen Gesichtspunkten erfolgreichen und sinnvollen Anbau von Gemüse oder anderen Lebensmitteln reicht es nicht aus, entzogene Nährstoffe einfach wieder auf die Flächen zurückzuführen. Die Bodenfruchtbarkeit sollte aktiv aufgebaut und gesteigert werden. Es macht wenig Sinn, Gemüsereste oder Stroh einfach auf dem Feld zu verteilen. Es würde lange dauern, bis das Bodenleben die Nährstoffe aufgeschlossen hat. Auch aus Sicht der Pflanzenhygiene können Gemüsereste nicht auf die Felder ausgebracht werden. Fruchtfolgekrankheiten oder kulturtypische Krankheitserreger könnten sich ausbreiten.

Weitere Maßnahmen zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit

Neben dem Mist tragen auch selbst hergestellter Kompost und Luzernesilage zur Bodenfruchtbarkeit bei. Im Mai setzen wir den Kompost an. Dieser reift innerhalb von sechs Wochen heran und ruht dann über den Sommer. Dazu laden wir Gemüsereste, Erde, Grüngut, Mist und Holzhäcksel auf Mieten an. Diese werden regelmäßig gewendet und gewässert, damit das Material vollumfänglich umgewandelt wird. 

Im Inneren der Kompostmieten herrschen um die 65°C. Das ist optimal für eine Hygienisierung, bei der Krankheitserreger und Unkrautsamen durch die hohen Temperaturen unschädlich gemacht werden. Der fertige Kompost wird im Oktober mithilfe eines Miststreuers gleichmäßig auf unseren Flächen mit Zwischenfrucht ausgebracht.

 

Beim Ausbringen von Schafmist, Luzernesilage und Kompost auf unsere Ackerflächen geht es nicht nur darum, Nährstoffe zuzuführen. Mit der Düngung soll zusätzlich der Humusgehalt gesteigert werden. Humus ist fruchtbarster Boden und entsteht, wenn Bodenlebenwesen organisches Material verdauen. Ein hoher Humusgehalt wird angestrebt, weil ein aktives Bodenleben eine intakte Bodenstruktur und eine verbesserte Wasserhaltefähigkeit des Bodens bedingt. Außerdem wird über den Humus Kohlenstoff im Boden gespeichert, was dem Treibhauseffekt entgegenwirkt.

Besonderheit in diesem Jahr: Schafe weiden auf unseren Flächen

Dieses Jahr brachte uns die Trockenheit in eine außergewöhnliche Situation. In Bergrothenfeld gab es auf den Weideflächen nicht ausreichend Futter für die Schafe, sodass sie kurzerhand zu uns umgezogen sind. Zeitweise haben dieses Jahr bis zu 4 Herden von ca. 100 Tieren auf unseren Kleegrasflächen und Wiesen geweidet. 

Selina Tausch ist Schäfermeisterin und schaute zweimal täglich nach der Herde. Die Weidefläche war in Teilflächen untergliedert. Alle paar Tage trieb Selina die Schafe um, sodass sauber abgefressen wurde und gleichzeitig das Futterangebot nicht zu groß war. Insbesondere bei einweißreichem Futter wie Luzerne und Klee können sich Schafe überfressen, was eine lebensbedrohliche Situation darstellt.